Almvorstellung „Almverein Gippel - Hofalm“ - Sankt Aegyd am Neuwalde

Almverein Gippel HofalmAlmverein Gippel Hofalm © Erich Schwarz

 

Wenn man St. Aegyd aus Richtung St. Pölten erreicht, könnte man meinen, sich im Westen von Österreich zu befinden. Der Gippel, ein mächtiger schroffer Berg mit 1.669 m Seehöhe ragt gemeinsam mit dem etwas „sanfteren“ Göller (1.766 m) in die Höhe.

Von diesen beiden Hausbergen von St. Aegyd am Neuwalde bietet sich ein beeindruckendes Panorama auf weite Teile der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen.
Der sehr markante, im oberen Drittel durch gebankten Dachsteinkalk geprägte Bergstock des Gippels zählt zusammen mit dem westlich benachbarten Göller zu den beliebten Tourenzielen im Umkreis Wiens. Er erhebt sich etwa 6 Kilometer südlich der Marktgemeinde St. Aegyd am Neuwalde. Die Randtäler des etwa 50 km² umfassenden Bergmassivs gehören orografisch zu den Flüssen Traisen, Schwarza und Mürz.

Der Gippel ist "ein Berg mit vielen Gesichtern". Blickt man von Kernhof zu seiner Nordwand, wirkt er fast wie ein schroffer Dreitausender. Beim Anstieg zum Gipfel sind etwa 1.100 Höhenmeter zu überwinden, was durchaus mit vielen Touren in den Zentralalpen vergleichbar ist. In deutlichem Gegensatz zur felsigen Nordflanke, die sich als 300 m hohe Gippelmauer 3 - 4 km nach Osten zum Schwarzauer Gippel (1.605 m) zieht, hat die wiesenbedeckte Südseite einen fast lieblichen Charakter.
Almverein Gippel   HofalmBlick auf die Hofalm und den Göller © Gemeinde St. Aegyd am Neuwalde

Die Alm und ihre Bewirtschaftung

Mitten „eingepackt“ liegt die wunderschöne, auf sanften Hügeln gelegene Hofalm mit dessen Gipfel, der als „Schnalzstein“ bezeichnet wird. Hier hat man einen der schönsten Aussichtspunkte in alle Himmelsrichtungen.

Die dazugehörigen Almböden zwischen den genannten Bergen, welche schon seit einigen hundert Jahren von den Landwirten aus St. Aegyd bewirtschaftet werden, erstrecken sich mit 8 Kilometer über diese Berge und teilen somit diese Alm in einzelne Bereiche: Ochsenboden, Gippel, Pollwischalm, Hofalm, Moaralm, Kernalm. Die bewirtschaftete Almfutterfläche beträgt rund 126 ha und wird alljährlich mit durchschnittlich 140 Stück Rindern (100 GVE) von 15 auftreibenden Betrieben bestoßen. Es werden hauptsächlich Fleckviehtiere aufgetrieben aber auch Tiere der Rasse Murbodner und Kreuzungen.

Almverein Gippel   Hofalm 002Almwandertag 2009 bei strahlendem Sonnenschein (Bildautor Franz Groissmayer)

 

Hauptkategorie sind Kalbinnen, welche vorrangig für die eigene Bestandsergänzung benötigt werden. Die restlichen Kalbinnen werden nach dem Abtrieb als trächtige Tiere verkauft. Der Auftrieb von männlichen Rindern (nur Ochsen) hat an Bedeutung verloren. Ochsen werden heutzutage vorrangig von Betrieben aufgetrieben, welche Direktvermarktung betreiben. Grundsätzlich handelt es sich bei der Beweidung der Almflächen um Standweiden, wobei in den letzten beiden Jahren darauf geachtet wurde, frühestmöglich aufzutreiben. Über die Koppelung der Flächen ist in Zukunft noch zu diskutieren
.
Der Auftrieb findet Anfang Juni statt und der Abtrieb ist seitens des Grundeigentümers (Forstverwaltung Hoyos aus Kernhof) mit Mitte September festgelegt. Grundlage für die Bewirtschaftung ist ein Pachtvertrag zwischen Almverein und Grundbesitzer. Der Pachtzeitraum ist abgestimmt auf die Dauer der Förderperiode des jeweiligen ÖPUL-Programmes. Auf dem Gippel und auf der Hofalm sorgen die beiden Halter Erich Schwarz und Martin Hofecker für einen „sorgenfreien“ und „reibungslosen“ Almsommer. Die beiden Almhütten stehen den Haltern für die Bewirtung von Wanderern, zur Übernachtung, etc. zur Verfügung.

Bewirtschafter dieser Alm ist der „Almverein Gippel – Hofalm“, welcher 2004 von der Rechtsform „Genossenschaft“ in einen Verein umgewandelt wurde. Mit Obmann Josef Wieser und seinem Vorstand, vor allem den beiden Almmeistern Christian Sommerauer (Hofalm) und Gerhard Weirer (Gippel) steht ein engagiertes Team zur Verfügung.

 

Almverein Gippel   Hofalm 003Die Wasserversorgung wird aufgrund der längeren Trockenperioden immer wichtiger (Bildautor Andreas Scheikl)

Geschichte der Alm

Aus den Mappenblättern des „Franziszeischen Katasters“ aus dem Jahre 1820 ist bereits nachvollziehbar, dass diese Almböden bewirtschaftet wurden. Einige Namen der Almböden aus diesem Kataster beziehen sich auf Hofnamen von Betrieben in St. Aegyd. Ein Beispiel: Die heutige „Gippelalm“ ist in dieser Mappe als „Harenbauers Alpe“ (vermutlich „Haringhof“ im Weissenbach) vermerkt. Somit ist belegt, dass die Bewirtschaftung der Almen rund um Gippel und Göller einige Jahrhunderte zurückreicht. Alte Aufzeichnungen und Briefe weisen schon immer auf rege Diskussionen zwischen Besitzer und Bewirtschafter hin. Eine gegenseitige Abhängigkeit war jedoch immer gegeben. Da die Jagd durch den Besitzer immer eine große Rolle gespielt hat, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich sowohl der Auftrieb als auch der Abtrieb sowie die Weidepflege immer nach diesen Gesichtspunkten gerichtet haben. Differenzen konnten aber immer wieder ausgeräumt werden und der alljährliche Auftrieb war somit gesichert. Beide Seiten profitieren von den Vorteilen der Bewirtschaftung der Almflächen – Weidefläche ist auch Äsungsfläche für das Hochwild. Aus Erzählungen weiß man, dass für die traditionellen Viehmärkte in St. Aegyd bereits zu „Aegydi“ (1.September) die Rinder, hier vor allem Ochsen, teilweise abgetrieben wurden, um sie am Markt anbieten zu können. Zu erwähnen sei, dass der „Alpwirtschaftliche Verein für Niederösterreich“ am 29. und 30. August 1921 in St. Aegyd am Neuwalde gegründet wurde. Aus dieser Versammlung ging Herr Landesrat Jux als erster Obmann hervor. Die Ybbstaler Zeitung vom 1. Oktober 1921 berichtet: „…am 29. früh morgens, nachdem die Teilnehmer bei den Bauern Aegyds genächtigt hatten, begann der Aufstieg auf den Gippel, wobei reichliche Gelegenheit war, die geradezu musterhafte Bewirtschaftung aller Talgründe zu beobachten…“ Somit war auch der „erste“ Almwandertag in NÖ geboren! Im Jahr 1929 konnte der neue Treibsteig, welcher vom „Zögernitzer-Hof“ ausgehend, bis zum Gippel in Serpentinen angelegt wurde, seiner Bestimmung übergeben werden. Alte Bilder dokumentieren diese schweren körperlichen Meisterleistungen.

Ein Meilenstein der Geschichte für die Hofalm und dem Gippel war die Erschließung der Almen mit Straßen. Viele Verhandlungen betreffend Trassierung, Finanzierung und Umsetzung gingen voraus. Grundbesitzer, Auftreiber und das Land NÖ konnten sich doch schlussendlich einigen, und der Bau der Hofalmstraße wurde in den Jahren 1962/63 begonnen und 1964 fertiggestellt. Die Gippelstraße folgte 20 Jahre später und wurde 1983 fertiggestellt. In vielen Arbeitsschichten wurden diese ehrgeizigen Projekte umgesetzt.
Almverein Gippel   Hofalm 004Damit alle Tiere gleichzeitig saufen können, muss die Tränke groß genug sein. (Bildautor Andreas Scheikl)

In den letzten Jahren …

Nach den Sanierungsprojekten stehen vor allem die Weidesanierungen und – verbesserungen im Mittelpunkt. Geplant sind Umsetzungen von Weideverbesserungen, welche seitens der NÖ Agrarbezirksbehörde und der Landwirtschaftskammer vorgeschlagen wurden. Ein wesentlicher Punkt wird speziell die Erhaltung der Kernalm sein – diese Almfläche, geprägt durch ihre Weitläufigkeit, stellt die Almbauern, durch die Einzäunung mit vielen Kilometern, vor höhere Anforderungen als andere Almflächen. Auch der Bestoß mit Weidetieren ist nicht mehr so intensiv wie vor einigen Jahren noch. Hier gilt es, besondere Maßnahmen zu setzen, um ein Zuwachsen dieser Flächen hintan zu halten.
Almverein Gippel   Hofalm 005Die neu sanierte Almhütte, viele Arbeitsstunden mussten von den Almbauern erbracht werden. (Bildautor Erich Schwarz)
Almverein Gippel   Hofalm 006Um das Zuwachsen zu verhindern braucht es ein gutes Weidemanagement und genügend Weidetiere. (Bildautor Andreas Scheikl)

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