Rückblick auf Almfachtag 2017

Bedroht die Rückkehr des Wolfes die Alm- und Weidewirtschaft?
Rückblick auf den Almfachtag der LK Niederösterreich und des NÖ Alm- und Weidewirtschaftsvereines.

© Paula Pöchlauer

„Wir wünschen uns die Rückkehr des Wolfes nach Österreich nicht“, betont LKR Daniel Heindl, „aber wir haben Gesetze zu beachten. Die Gesellschaft, die fernab der landwirtschaftlichen Realität lebt, glaubt, dass mit der Rückkehr des Wolfes ein großes Stück Natur wiederkehrt.“ Dass dem nicht so ist, beweisen die Ergebnisse der Länder, in denen die Wolfspopulationen schon eine beachtenswerte Größe erreicht haben. „Herdenschutz kostet sehr viel Geld“, betont August Bittermann, „dies beweisen die Zahlen der Schweiz, bietet keinen 100 %-igen Schutz und erfordert einen erheblichen Mehraufwand. Wir müssen uns aber dennoch mit fachlich fundierter Beratung darauf vorbereiten“.  Die Rechtsexpertin der LK Niederösterreich Sylvia Scherhaufer steckt für die Teilnehmer der Tagung den rechtlichen Rahmen ab. „Sowohl die FFH (Fauna und Florahabitat)-Richtlinie, als auch die Berner  Konvention sehen den Wolf als streng geschützte Art“, so Scherhaufer, „für die  Entnahme einzelner Tiere gibt es strenge Regeln“.  „Wir können nur hoffen“, schaut Heindl sorgenvoll in die Zukunft, „dass es diesbezüglich rasch ein Umdenken auf europäischer Ebene gibt, da ansonsten der Rückgang der Alm- und Weidewirtschaft zu befürchten ist.“

„Wenn man dann in Ruhe zusammensitzt, gehen einem viele Fragen durch den Kopf“, beschließt Josef Mayerhofer seinen Bericht über den Vorfall beim Almauftrieb im Mai. „Plötzlich sind fünf Rinder ausgebrochen“, schildert Mayerhofer, „und eine Kalbin haben wir erst einige Kilometer weiter am Rand der Bundesstraße wiedergefunden. Das Tier war völlig außer sich und zeigte aufgrund der Angst aggressives Verhalten. Schlussendlich trafen wir die Entscheidung, das Tier zu töten, um Schlimmeres zu verhindern“.

Mayerhofer stellte folgende Fragen in den Mittelpunkt des Vormittags:

War die Entscheidung richtig und vertretbar?
Wer darf/muss über eine „Nottötung“ entscheiden?
Wer darf ein Tier töten?
Wie ist anschließend vorzugehen?
Wie kann man solche Situationen verhindern?

„Das Erste und Wichtigste, um solche Problemsituationen zu vermeiden, ist eine gute Vorbereitung am Heimbetrieb“, so Reinhard Gastecker, LK Niederösterreich, und zeigte anhand von Bildern und Videos praktische Beispiele von Verhaltensweisen unserer Hausrinder. Amtstierarzt Dr. Christoph Hofer-Kasztler begeisterte die Zuhörer mit enormem Fachwissen. „Jeder Tierhalter muss im Sinne des Tierschutzes auch das richtige Töten von Tieren in Notsituationen beherrschen, um Tierleid zu vermeiden“, so Hofer-Kasztler. „Wenn Tiere abgängig sind, muss dies der AMA mit einer schriftlichen Bestätigung durch das Fundbüro der zuständigen Gemeinde gemeldet werden“, fasst August Bittermann die Frage, „Was ist zu tun wenn ein Rind abhaut?“ zusammen.  „Dass Wanderwege, die durch Weiden führen, ausgezäunt werden müssen, entbehrt jeglicher gesetzlicher Basis“, erläutert Sylvia Scherhaufer. Des Weiteren geht sie auf die Thematik ein, wer darf ein Tier in Gefahrensituationen töten.

Foto (Paula Pöchlauer): Die schönsten Seiten der Almwirtschaft sind Werbeträger für Tourismus und Almprodukte
Text des Artikels: DI August Bittermann, Tel. +43 5 0259 23201, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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