Almen – Von einer Natur- zur Kulturlandschaft

Seit jeher spielen Almen, im alemannischen Sprachraum besser unter Alpen bekannt, eine bedeutende Rolle im Alpenbogen. In Österreich dehnen sich rund 8.400 Almen auf 20% der Staatsflächen aus und alle Bundesländer außer Burgenland und Wien sind almwirtschaftlich geprägt. Österreichs Almwirtschaft ist zentraler Bestandteil der heimischen Berglandwirtschaft und in den Sommermonaten sorgen rund 7.000 Hirtinnen und Hirten für 51.000 Milchkühe, 265.000 Rinder, 9.000 Pferde, 114.000 Schafe und 10.000 Ziegen.

In Österreich verbindet man mit dem Begriff Almwirtschaft grasendendes Weidevieh, gepflegte Landschaften, erlebnisreiche Wanderungen und gemütliche Almhütten. Österreichs Almen sind weit über die Landesgrenzen hinaus als Erholungsraum bei Jung und Alt beliebt. Die Almregionen in ihrem heutigen Erscheinungsbild sind jedoch keine Naturlandschaften, sondern über Jahrtausende durch landwirtschaftliche Nutzung geprägte Kulturlandschaften mit vielfältigen Funktionen. Österreichs Almbäuerinnen und Almbauern bewirtschaften mit viel Engagement und Idealismus unsere Almen und tragen den Funktionen dieser Kulturlandschaft Rechnung. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung sind vor allem die Erhaltung der Vielfalt, Funktionalität und Schönheit der Bergregionen zentrale Aufgaben und ein wichtiger gesellschaftlicher Auftrag.

Vielfältige Funktionen der Almwirtschaft

Almen sind ein wesentlicher Bestandteil des landwirtschaftlichen Betriebes im Tal. Durch die Produktion hochwertiger Lebensmittel wie Milch, Butter, Käse und Fleisch tragen sie maßgeblich zum Gesamteinkommen des bäuerlichen Betriebs bei. Zusätzlich können durch die Sömmerung mehr und vor allem gesündere Tiere gehalten werden. Die Arbeitsbelastung auf den Heimbetrieben wird während der Arbeitsspitzen im Sommer dadurch ebenfalls reduziert.

Strukturelle Veränderungen in der heimischen Landwirtschaft haben aber auch die Almwirtschaft und deren Bedeutung für die Gesellschaft veränderten. Bis in die jüngste Vergangenheit stand vor allem die Produktionsfunktion der Almen im Vordergrund. Heute kommt Almen aber auch beim Schutz vor Naturgefahren eine zentrale Bedeutung zu. Durch die standortangepasste Bewirtschaftung der Almflächen können Bedrohungen durch Bodenerosion, Muren und Lawinen verringert werden.

Natur- und Erholungsraum Alm

Der reich strukturierte und extensiv bewirtschaftete Lebensraum Alm ist auch aus ökologischer Sicht von großer Bedeutung. Almflächen sind mit ihren reich strukturierten, artenreichen Blumenwiesen und Landschaftselementen ökologisch sehr wertvolle Flächen und weisen eine hohe pflanzliche und tierische Biodiversität auf. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen im Alpenraum. Nur durch eine regelmäßige, extensive Bewirtschaftung kann diese Vielfalt erhalten werden.

Auch die Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion der Almwirtschaft hat eine bedeutende Rolle inne. Almen als attraktive, gepflegte Kulturlandschaft sind zu einem wichtigen Zugpferd für den heimischen Tourismus geworden. Gäste aus aller Welt, aber auch die heimische Bevölkerung, schätzen die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren Wanderwegen, Mountainbike-Strecken, Schipisten, Almhütten und Einkehrmöglichkeiten.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die soziokulturelle Funktion der Almwirtschaft. Viele althergebrachte Bräuche, Rezepte und Traditionen in der bäuerlichen Gesellschaft gehen unmittelbar auf die Almwirtschaft zurück und bereichern den Jahreslauf, der auch immer stärker die nicht bäuerliche Bevölkerung interessiert und anspricht.

Fachzeitschrift "Der Alm- und Bergbauer"

201708 DER ALM UND BERGBAUER Titelbild

Fachunterlagen Almwirtschaft

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Almen in Österreich