Jakobskreuzkraut auf Almen und Weiden
Kreuzkräuter bzw. Greiskräuter sind heimische Pflanzen aus der Familie der Korbblütler. In Österreich kommen zahlreiche Arten vor, die sich hinsichtlich Aussehen, Standortansprüchen und Verbreitung deutlich unterscheiden.
Auf Almen und Weiden können Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) und Alpenkreuzkraut (Senecio alpinus) vorkommen.
Giftwirkung von Kreuzkräutern
Alle Kreuzkräuter enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die für Nutztiere und Menschen giftig sind. Pyrrolizidinalkaloide kumulieren im Körper und schädigen die Leber. Die Vergiftung mit Kreuzkraut wird Seneziose oder Schweinsberger Krankheit genannt. Sie kann bei Pferden, Rinder, Schafen und Ziegen auftreten, Pferde gelten als besonders empfindlich. Pyrrolizidinalkaloide können über die Milch an Jungtiere weitergegeben werden. Für die durch Pyrrolizidinalkaloide verursachten Leberschäden gibt es keine spezifische Therapie. Daher kommt der Vermeidung der Aufnahme besondere Bedeutung zu.
Jakobskreuzkraut – Vorkommen
Auf landwirtschaftlichen Flächen in Österreich und auch auf Almen ist das Jakobskreuzkraut bisher selten, und daher weniger bekannt als etwa das Alpenkreuzkraut. Weltweit ist es ein gefürchtetes Unkraut auf Weideflächen, vor allem dort, wo keine regelmäßige Weidepflege erfolgt.
Jakobskreuzkraut kommt in tieferen Lagen und auf niedrig gelegenen Almen, bis ca. 1.000 m Seehöhe vor. Im gemähten Grünland ist es auf ein- bis zweimal genutzten Flächen anzutreffen. Jakobskreuzkraut ist schnittempfindlich, bei mehr als zwei Nutzungen verschwindet es aus dem Bestand.
Es bevorzugt leichte, trockene Böden und sonnige Standorte. Ganz typisch ist das Auftreten an sonnigen Waldrändern und auf Kuppen. Südseitig gelegene Weide auf seichtgründigen Böden sind Flächen, auf denen sich das Jakobskreuzkraut auf problematische Weise verbreiten kann.
Aussehen und Lebensweise des Jakobskreuzkrautes
Das Jakobskreuzkraut ist grundsätzlich eine zweijährige Pflanze, einzelne Exemplare können jedoch auch mehrere Jahre überdauern. Im ersten Jahr entwickelt die Pflanze ausschließlich eine grundständige Blattrosette. Erst im zweiten Jahr bildet sie einen aufrechten Stängel mit den charakteristischen Blütenständen.
Die Stängelblätter sind tief fiederspaltig eingeschnitten. Die Blütenstände erreichen Höhen von etwa 30 bis 120 cm und tragen zahlreiche leuchtend gelbe Blüten, die in lockeren, doldenartigen Gruppen angeordnet sind.
Jede Blüte setzt sich aus Röhren- und Zungenblüten zusammen und erreicht einen Durchmesser von etwa 1,5 bis 2 cm. Das Erscheinungsbild erinnert an die Wiesen-Margerite, allerdings sind beim Jakobskreuzkraut sowohl die äußeren Zungenblüten als auch die inneren Röhrenblüten gelb gefärbt. Die Blütezeit reicht in der Regel von Ende Juni bis Juli. Nach der Blüte, meist ab Anfang August, bilden sich die Samen. Die Blütenköpfchen verfärben sich weiß und ähneln kleinen „Pusteblumen“. Die flugfähigen Samen werden durch den Wind verbreitet und können Entfernungen von etwa 50 Metern zurücklegen. Gelangen sie auf offene Bodenstellen, können sie dort keimen und neue Pflanzenbestände begründen.
Ein einzelnes Jakobskreuzkraut produziert mehrere tausend Samen. Diese bleiben im Boden bis zu zehn Jahre keimfähig. Lückige Bestände und offene Bodenstellen begünstigen die Etablierung und Ausbreitung der Pflanze.
Welche Risiken bestehen für die Nutztiere?
Auf Weiden werden Kreuzkräuter von Tieren grundsätzlich gemieden. Gefährdet sind überweidete Flächen oder Weiden mit geringem Futterangebot, da dann Tiere weniger streng selektieren. Auch junge Tiere und Tiere, die Kreuzkräuter nicht kennen, können vereinzelt Pflanzen aufnehmen.
Im getrockneten Zustand, in Heu und auch in der Silage verlieren Kreuzkräuter ihren Geschmack, die Giftwirkung bleibt aber und so können sie von Tieren aufgenommen werden.
Regulierungsmaßnahmen und Hinweise
Die wichtigste Regulierungsmaßnahme ist Vorsorge: Sobald die ersten Pflanzen vorgefunden werden, sollten sie vor der Samenbildung ausgerissen oder ausgestochen werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Hat das Jakobskreuzkraut bereits größere Flächen besiedelt können diese gemäht werden. Die Mahd ist in der Blüte, jedenfalls vor der Samenbildung durchzuführen. Wird zu früh gemäht, kann es sein, dass das Jakobskreuzkraut Seitentriebe bildet und es zu einer intensiven Nachblüte kommt.
Es wird empfohlen die gemähten Pflanzen von der Fläche zu verbringen, damit Weidetiere nicht mit ihnen in Kontakt kommen und weil bereits stärker aufgeblühte Pflanzen nachreifen können, und damit erneut Samen in den Boden gelangen.
Samentragende Pflanzenreste dürfen keinesfalls im Hausgartenkompost oder am Misthaufen entsorgt werden, da sie dort die Keimfähigkeit bewahren und beim Ausbringen auf weitere Flächen verschleppt werden können.
Diese Maßnahmen müssen meist über mehrere Jahre konsequent durchgeführt werden, um den Bestand deutlich zu reduzieren.
Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Pflanzen
Es gibt viele gelb blühende Pflanzenarten auf Almen und Weiden.
Vom Wuchs ähneln Pippau, Johanneskraut oder Rainfarn dem Jakobskreuzkraut. Bei diesen Arten ist gibt es jedoch eindeutige Unterscheidungsmerkmale im Blütenbau.
- Jakobskreuzkraut hat Röhrenblüten und Zungenblüten.
- Die Blüten des Pippaus bestehen ausschließlich aus Zungenblüten, sie ähneln Löwenzahnblüten.
- Die Blüten des Rainfarnes bestehen nur aus Röhrenblüten. Die Blüten sehen auch wie kompakte Knöpfe mit einem Durchmesser von ca. 1 cm.
- Johanniskraut hat fünf Blütenblätter.
Im Rosettenstadium kann man Jakobskreuzkraut mit dem Kriechenden Günsel verwechseln.
Alpenkreuzkraut nicht mit Jakobskreuzkraut verwechseln
Das Alpenkreuzkraut kommt bevorzugt in höheren Lagen vor und ist auf vielen Almen deutlich häufiger anzutreffen als das Jakobskreuzkraut. Im Gegensatz zu diesem besitzt es breite, herzförmige Blätter und breitet sich neben Samen auch über Rhizome aus. Dadurch können dichte Pflanzenbestände entstehen. Besonders häufig findet man Alpenkreuzkraut auf nährstoffreichen Viehlagerstellen, entlang von Bachufern oder an Waldrändern.
Gegenüberstellung Jakobskreuzkraut und Alpenkreuzkraut
Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea)
Zwei- bis mehrjährige Pflanze. Im ersten Jahr Entwicklung einer Grundrosette, im zweiten Jahr Ausbildung eines Blütenstängels mit gefiederten Blättern und mehreren Blütenständen
Gefiederte Blätter
Vorkommen in tieferen Lagen, von der Hügelstufe bis in die untermontane Stufe (bis etwa 1.000 m Seehöhe).
Bevorzugt trockene bis frische, durchlässige und eher nährstoffarme Böden; verträgt Trockenheit gut
Vermehrung über Samen; die flugfähigen Samen können über Entfernungen von rund 50 m verbreitet werden
Tritt einzeln oder in lockeren Gruppen auf
auf trockenen, sonnigen Weiden mit leichten, durchlässigen Böden
Regulierung: Mahd während der Blüte, jedoch vor der Samenreife; Einzelpflanzen ausreißen oder ausstechen
Wurzelsystem: Pfahlwurzel mit zahlreichen Seitenwurzeln; keine Ausbreitung über unterirdische Ausläufer.
Alpenkreuzkraut (Senecio alpinus)
Mehrjährige, kräftig wachsende Staude mit einer Wuchshöhe von etwa 30 bis 120 cm
Rundliche bis herzförmige Blätter
Vorkommen von etwa 400 bis 2.100 m Seehöhe, vor allem in der montanen bis subalpinen Höhenstufe
Bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffreiche Böden
Vermehrung sowohl über Samen als auch über Rhizome
Tritt einzeln oder häufig in dichten Beständen beziehungsweise „Pflanzennestern“ auf, ähnlich wie Almampfer oder Brennnessel
auf Viehlagerstellen, an Waldrändern, entlang von Bachufern
Regulierung: Mahd vor der Blüte, um die vegetative Ausbreitung über Rhizome sowie die Samenbildung zu begrenzen
Wurzelsystem: Rhizome mit zahlreichen Seitenwurzeln; ein Ausstechen ist aufgrund des ausgeprägten Wurzelsystems schwierig. Der Austrieb aus Rhizomen ermöglicht die flächige Ausbreitung
Übersicht: weitere Kreuzkräuter
Das Wasserkreuzkraut (Senecio aquaticus) kommt in Höhenlagen von etwa 200 bis 1.000 m Seehöhe vor. Es wächst vor allem auf feuchten bis nassen Wiesen und Weiden sowie auf Moorwiesen. Die Vorkommen sind meist kleinräumig, können an den betroffenen Standorten jedoch sehr massiv auftreten. Im Erscheinungsbild ähnelt es dem Jakobskreuzkraut.
Das Schmalblättrige Kreuzkraut (Senecio inaequidens), auch Schmalblatt-Kreuzkraut oder Südafrikanisches Kreuzkraut genannt, ist eine aus Südafrika eingeschleppte Art. Charakteristisch sind die schmalen, länglichen Blätter. Es vermehrt sich über Samen und blüht zweimal jährlich, von Juni bis Juli sowie von Oktober bis November. Die Ausbreitung erfolgt vor allem entlang von Verkehrswegen wie Autobahnen und Bahnstrecken. Aus Südtirol liegen Berichte über das Eindringen in Magerwiesen vor, sonst gibt er derzeit keine Vorkommen auf landwirtschaftlichen Flächen. Das Schmalblättrige Kreuzkraut ist jedoch in Ausbreitung begriffen, trockene Sommer und mildere Winter kommen ihm entgegen!
Das Gemeine Kreuzkraut (Senecio vulgaris) besiedelt Äcker, Weingärten, Brachen sowie Siedlungs- und Stadtgebiete. Es ist als alter Kulturfolger weit verbreitet. Die einjährige Pflanze erreicht eine Höhe von 10 bis 30 cm und kann nahezu das ganze Jahr über blühen und fruchten. Dadurch entstehen mehrere Generationen innerhalb eines Jahres.
Quellen und weiterführende Informationen zu Kreuzkräutern
Merkblätter der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Grünland und Futterbau
ÖAG-Merkblatt 1/2011: Alpenkreuzkraut
ÖAG-Merkblatt 4/2018: Schmalblättriges Kreuzkraut
ÖAG-Merkblatt 5/2018: Wasserkreuzkraut
„Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein, Südtirol“, Fischer, Oswald, Adler, 3. Auflage, 2008
Text und © DI Martina Löffler