Positive Ausnahme – Almwirtschaft in Niederösterreich – Auftriebszahlen stabil
„Die starke Verbundenheit mit der Alm- und Weidewirtschaft in Niederösterreich beweisen die zahlreichen Ehrengäste, an der Spitze die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich Andrea Wagner und Bundesobmann Josef Obweger“, begrüßte Obmann Mayerhofer die Anwesenden. Er hob die Bedeutung eines guten Zusammenhalts hervor und bedankte sich bei Andrea Wagner für die großzügige Unterstützung seitens der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und des Landes Niederösterreich. Beim Totengedenken wurde besonders an den kurz vor der Vollversammlung verstorbenen Alminspektor Kurt Kreitner gedacht.
Vizepräsidentin Andrea Wagner bedankte sich bei den Almbäuerinnen und Almbauern für die geleistete Arbeit. „Eine wichtige Rolle für die Bevölkerung nehmen die Landwirtschaft und die Almwirtschaft ein. Wertvolle Beispiele für die Vermittlung der Leistungen sind die Angebote Urlaub am Bauernhof und Schule am Bauernhof“, betonte Andrea Wagner.
In den nächsten Monaten stehen die bäuerlichen Interessenvertretungen vor besonderen Herausforderungen. In Österreich gehen die Finanzrahmenverhandlungen in die intensive Phase, auf europäischer Ebene müssen in den GAP-Verhandlungen die Weichen für die Zukunft der Landwirtschaft gestellt werden. Die Ausstattung der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete wirkt sich entscheidend auf die wirtschaftliche Situation unserer Bergbauernbetriebe aus. Das Bekenntnis zur Landwirtschaft bringt der Bevölkerung Versorgungssicherheit. Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Bewirtschaftung der Almen aus. Eine ausreichende Wasserversorgung der Weidetiere erfordert oftmals hohe Investitionen. Das Land Niederösterreich leistet hier einen wesentlichen finanziellen Beitrag. „Heuer ist nicht nur das Jahr der Berglandwirtschaft, sondern auch das Jahr der Bäuerinnen“, propagierte Andrea Wagner, „die Vertreter der Almwirtschaft haben ja die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung unterschrieben, die das Ziel der gleichwertigen Beteiligung von Bäuerinnen und Bauern in allen land- und forstwirtschaftlichen Interessenvertretungen und Verbänden verfolgt.“ Zum Abschluss ihrer Grußworte bedankte sich Andrea Wagner bei den Vorstandsmitgliedern des NÖ Alm- und Weidewirtschaftsvereines für die geleistete Arbeit in der abgelaufenen Periode.
Bundesobmann Josef Obweger berichtete, dass bei der Vollversammlung des Vereines Almwirtschaft Österreich Bundesminister Totschnig, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich Josef Moosbrugger sowie die Präsidenten der Landwirtschaftskammern Salzburg, Tirol, Steiermark und Kärnten anwesend waren und die Gelegenheit genutzt wurde, den verantwortlichen Politikern ein Positionspapier der Almwirtschaft Österreich zu überreichen. Die Almwirtschaft kämpft seit vielen Jahren mit sinkenden Auftriebszahlen, daher sind finanzielle Anreize wichtig, um einen Gegentrend einzuleiten. Almen zeichnen sich durch hohe Biodiversität aus, eine Anrechnung für die Heimbetriebe auf die geforderten Biodiversitätsflächen könnte einen Anreiz für Betriebe sein, ihre Tiere auf eine Alm zu bringen. Der Rückgang der Mutterkuhhaltung um ca. ein Drittel ist ein weiterer Faktor für die sinkenden Auftriebszahlen. „Es gibt ein einziges Bundesland, in dem die Auftriebszahl über viele Jahre schon stabil ist, das ist Niederösterreich“, lobte Obweger die anwesenden Mitglieder.
Sehr positive Rückmeldungen gab es auch zur Österreichischen Almwirtschaftstagung im Vorjahr am Hochkar. Des Weiteren gratulierte er auch dazu, dass in Niederösterreich jedes Jahr eine Fachtagung mit einem umfangreichen Fachprogramm angeboten wird. „Wir haben lange und intensiv dafür gearbeitet und schon nicht mehr daran geglaubt, aber es ist gelungen, dass der Schutzstatus des Wolfes gesenkt wurde,“ zog Obweger Bilanz, „Wir haben mit unseren Nachbarländern dieses Ziel erreicht“. Er berichtete auch über den aktuellen Stand zum sogenannten Wessely Gutachten zum § 19 im Tierschutzgesetz. Die Umsetzung nach diesem Gutachten würde bedeuten, dass, sobald Gefahr durch große Beutegreifer droht, die Tiere von den Almen abgetrieben werden müssten und die zuständige Behörde, die Bezirkshauptmannschaft, einen Bescheid zum Abtrieb der Tiere ausstellen müsste. Dazu gibt es jetzt ein weiteres Gutachten von Professor Norer, dass dieser Auslegung nicht folgt.
„Die Almwirtschaft Österreich feiert heuer 75 Jahre mit einer Festveranstaltung im Oktober in Innsbruck“, freute sich Josef Obweger.
Obmann ÖKR Josef Mayerhofer zog in seinem Bericht Bilanz über ein arbeitsreiches, aber auch erfolgreiches Almjahr. Neben vielen Sitzungen zu wichtigen Themen wie Große Beutegreifer, ÖPUL, neue GAP und viele Themen mehr, gab es zwei besondere Höhepunkte. Anfang Juli konnte der NÖ Alm- und Weidewirtschaftsverein zahlreiche Teilnehmer aus fast allen Bundesländern und einigen Nachbarländern bei der Österreichischen Almwirtschaftstagung am Hochkar begrüßen. „Die ausschließlich positiven Rückmeldungen der Teilnehmer und vielen Lobesworte machen uns mächtig stolz. Ich möchte mich bei den vielen Helferinnen und Helfern herzlich für ihr Engagement und ihre Mithilfe bedanken“, freute sich Josef Mayerhofer.
Der zweite Höhepunkt war der 75. NÖ Almwandertag am 15. August auf den Almflächen der Servitutsweidegemeinschaft Königsberg. Josef Mayerhofer bedankte sich bei Obmann Bernhard Käfer für die perfekte Ausrichtung des Almwandertages. Während des Sommers besuchte er auch einige Almen und nutzte die Gelegenheit, verdiente Almleute zu ehren und sich für die enorme Arbeitsleistung zu bedanken. „Unsere Halterinnen und Halter sind jeden Tag viele Stunden zum Wohl der Weidetiere, oft im unwegsamen Gelände, auf unseren Almen und Gemeinschaftsweiden unterwegs“, lobte Obmann Mayhofer die Leistung der Halterinnen und Halter. Josef Mayerhofer bedankte sich zum Abschluss seines Berichts bei den Vorstandsmitgliedern und den Organisationen, die den NÖ Alm- und Weidewirtschaftsverein tatkräftig unterstützen, wie die Landwirtschaftskammer Niederösterreich, das Land Niederösterreich, die NÖ Agrarbezirksbehörde und die Almwirtschaft Österreich.
Almwandertag 2026:
Bürgermeister Mag. Reinhard Nosofsky stellte stolz seine Gemeinde Reinsberg vor. Er gab einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Reinsberg, eine kleine, aber sehr lebendige Gemeinde mit sehr vielen Aktivitäten und Vereinen. Im MUSIUM und der Burgarena Reinsberg bietet die Gemeinde ein sehr vielfältiges kulturelles Angebot. „Wir brauchen unsere Bäuerinnen und Bauern, um die Lebendigkeit und die Schönheit unserer Gemeinde zu erhalten und freuen uns, dass der 76. NÖ Almwandertag auf der Kapleralm in unserer Gemeinde stattfindet“, lud der Bürgermeister alle Anwesenden ein.
Der Obmann der Rinder- und Weidegenossenschaft Reinsberg Matthias Pöhacker stellte mit eindrucksvollen Bildern den Austragungsort des 76. NÖ Almwandertages, die Kapleralm, vor. Die Genossenschaft wurde 1908 gegründet und hat 21 Mitglieder mit 125 Anteilen. Die Flächen befinden sich im Eigentum der Genossenschaft. Die Kapleralm liegt in den westlichen Kalkalpen an der Grenze zur westlichen Flyschzone im Bezirk Scheibbs auf einer Seehöhe zwischen 580 bis 953 m. Die Weidezeit beginnt Anfang Mai und endet in der ersten Oktoberhälfte. Die Gesamtfläche von 154 ha teilt sich in 70 ha Weide, 82 ha Wald und 2 ha sonstige Flächen auf. Es werden ca. 150 Rinder, hauptsächlich Jungvieh und Galtvieh, aber auch Mutterkühe aufgetrieben. Fleckvieh, Schwarzbunte, Braunvieh, Pinzgauer und Fleischrassen weiden auf den Weiden der Genossenschaft. Beweidet wird in 4 Gruppen zu jeweils 3 Koppeln. Um den Futteraufwuchs zu bewältigen und die Weidezeit ausnutzen zu können, werden am Anfang mehr Rinder aufgetrieben und ein Teil nach 60 (20 bis 30 Stück) und ein weiterer Teil nach 100 Tagen (20 bis 30 Stück), je nach Futteraufwuchs, abgetrieben. Die Wasserversorgung erfolgt über eine Quelle. Von der Quelle auf 650 m Seehöhe wird das Wasser in zwei Hochbehälter gepumpt.
Traditionell findet jedes Jahr die Pfingstandacht bei der Kapelle auf der Kapleralm statt. Dort wird auch die Almmesse beim 76. NÖ Almwandertag von Pfarrer Hans Wurzer in seiner unnachahmlichen Art zelebriert. Die Tiere werden vom Halter Arno Rigger behirtet. „Die Besucher des Almwandertages erwartet eine wunderschöne Landschaft, eine großartige Aussicht, ein spannendes und unterhaltsames Programm sowie eine Versorgung mit regionalen Schmankerln“, versprach Matthias Pöhacker.
Alle drei Jahre wird der Vorstand des NÖ Alm- und Weidewirtschaftsvereines neu gewählt. Der bisherige Obmann ÖKR Josef Mayerhofer wurde einstimmig in seiner Funktion bestätigt, ebenso der bisherige Stellvertreter Karl Schabauer. Für den ausscheidenden Stellvertreter Anton Teufl wurde Clemens Blamauer als Nachfolger einstimmig gewählt.
Der neugewählte Vorstand:
1. Reihe v.l.n.r. Rechnungsprüferin Christina Trost, Vertreter der Halterrinnen und Halter Karl Ramsauer, Vorstandsmitglied Herbert Ehrenböck, Obmann Stellvertreter Karl Schabauer, Obmann ÖKR Josef Mayerhofer Vizepräsidentin Andrea Wagner, Rechnungsprüfer Bernhard Käfer, Vorstandsmitglied Josef Engel
2. Reihe v.l.n.r. Vorstandsmitglied Anton Teufl, Vorstandsmitglied Gerhard Grabner, Vorstandsmitglied DI Stefan Mandl, Vorstandsmitglied DI Wilhelm Helnwein, Vorstandsmitglied Dr. Andreas Moser, Obmann Stellvertreter Clemens Blamauer, Vorstandsmitglied Matthias Berger
© LK NÖ/Bittermann
Einen besonderen Höhepunkt jeder Vollversammlung stellt die Ehrung verdienter Funktionäre im Dienste der Almwirtschaft dar. Vizepräsidentin Andrea Wagner, Bundesobmann Josef Obweger und Obmann Josef Mayerhofer überreichten die Urkunden und Medaillen für die Verdienste um die Alm- und Weidewirtschaft in Niederösterreich. Die Medaille Gold erhielten Johann Strohmayer für seine mehr als 20jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied in der Servitutsweidegemeinschaft Dürrenstein, Herbert Teufel für seine 24jährige Tätigkeit als Obmann der Weidegemeinschaft Ober-Rechberg und Herbert Stockner für seine 26jährige Tätigkeit als Obmann der Weidegenossenschaft St. Georgen am Reith.
Mit der niederösterreichischen Landeshymne wurde die Vollversammlung geschlossen und zu den Fachreferaten übergleitet.
Mag. Doris Stilgenbauer referierte über die Entwicklung des Wolfsmanagements in Niederösterreich, den aktuellen Stand und die weiteren Ziele. Um ein wirksames Wolfsmanagement zu erreichen, braucht es ein entsprechendes Monitoring. Jede Sichtung eines Wolfes in der Nähe von Häusern, Gehöften, Almen oder Weiden sollte gemeldet werden. Doris Stilgenbauer versicherte den Anwesenden, dass die Meldungen anonymisiert werden. „Ohne Monitoring gibt es keinen Eingriff in den Bestand der großen Beutegreifer, damit auch keine Entnahmen“, appellierte Stilgenbauer an die Bäuerinnen und Bauern. Die Herdenschutzmaßnahmen, sowie auch die Unterstützung dafür, werden beibehalten und weiter ausgebaut.
DI Wilhelm Helnwein, Abteilung Güterwege, und DI Stefan Mandl, Abteilung Forstwirtschaft berichteten über die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten in den Bereichen Güterwege und Forst.
Veterinärdirektorin Dr. Christina Riedl stellte die aktuelle Bedrohungslage durch Tierseuchen dar, von der Geflügelpest über die Afrikanische Schweinepest bis hin zur Pest der kleinen Wiederkäuer. Besonders hoch eingestuft wird das Risiko für Ausbrüche der Blauzungenkrankheit. Dr. Riedl forderte die Bäuerinnen und Bauern eindringlich auf, ihre Tiere impfen zu lassen und dies gegen alle drei derzeit vorhandenen Stämme. Tierzuchtdirektor Dr. Moser verstärkte den Appell von Dr. Riedl in Bezug auf die Impfempfehlung und stellte die Möglichkeiten des Animal Health Data Service (AHDS) der AGES vor.
Text: August Bittermann